1. – 13. Schuljahr

Ein Leben mit der Sportpädagogik

Gespräch mit Prof. Dr. Eckart Balz

Der Sportwissenschaftler Professor Dr. Eckart Balz (geb.1959) ist einer der renommiertesten Sportpädagogen aus der dritten Generation seit Etablierung der modernen Sportwissenschaft in Deutschland in der Nachfolge u.a. von Professor Dr. Ommo Grupe (1930 – 2015) und Professor Dr. Dietrich Kurz (geb. 1942). Eckart Balz hat in Bielefeld und Marburg die Fächer Sportwissenschaft, Biologie und Erziehungswissenschaft studiert und sowohl das I. als auch das II. Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien/Gesamtschulen abgelegt. Er hat an der Universität Bielefeld promoviert und später auch habilitiert. Nach Lehrstuhlvertretungen u.a. an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster hatte er von 1996 bis 2000 eine Professur an der Universität Regensburg inne, bevor er einen Ruf an die Bergische Universität Wuppertal annahm, wo er bis heute im Arbeitsbereich Sportpädagogik lehrt und forscht. Aus Anlass seines 60. Geburtstags im Mai 2019 führte Prof. Dr. Detlef Kuhlmann ein Interview mit ihm; beide sind sich berufsbiografisch, sportlich und privat verbunden.
Sport&Spiel: Deine Arbeitsschwerpunkte in der Sportpädagogik sind benannt mit Planungsdidaktik, Bildungsforschung, Sportentwicklung und Lehrerbildung. Was verbirgt sich dahinter?
Eckart Balz: Hinter Planungsdidaktik steckt die Erarbeitung von Konzepten für eine pädagogische Gestaltung des Schulsports, etwa zur Gesundheitsförderung. Unter Bildungsforschung im weiteren Sinne laufen empirische Studien zur Umsetzung solcher pädagogischen Ansprüche, u.a. zur Realisierung eines mehrperspektivischen Sportunterrichts. Im Rahmen von Sportentwicklung geht es auch um außerschulische Projekte unserer Bewegungskultur, besonders für die sportbezogene Jugendsozialarbeit. Und mit Lehrerbildung im Fach Sport werden Anstrengungen zur Qualitätsverbesserung gebündelt, nicht zuletzt in politisch stärkender Absicht für angehende Sportlehrkräfte.
Sport&Spiel: Deine Dissertation aus dem Jahr 1988 trägt den Titel „Aufgaben des Sports im Schullandheim. Heute gibt es professionelle Reiseveranstalter für Klassenfahrten etc. Was ist aus den Aufgaben des Sports im Schullandheim geworden?
Eckart Balz: Die Aufgaben richten sich auf besondere Chancen, während eines mehrtägigen Aufenthaltes im Schullandheim oder einer ähnlichen Unterkunft die sportlichen Aktivitäten in den Tagesablauf zu integrieren und mit pädagogischen Förderabsichten einer selbstständigen und gesunden Lebensführung, Umwelt- und Sozialerziehung zu verbinden. Das lässt sich modifizieren und ergänzen, hat sich aber nicht grundsätzlich verändert. Die Frage ist eher, inwieweit kommerzielle Reiseanbieter dem Auftrag nicht bloß organisatorisch, erlebnispädagogisch und eventorientiert nachkommen können oder ob kompetente (Sport-)Lehrkräfte dies nicht besser mit ihren Schülerinnen und Schülern selbst ausgestalten sollten.
Sport&Spiel: Deine mit dem Wissenschaftspreis des damaligen Deutschen Sportbundes 1995 gekrönte Habilitation handelt von „Gesundheitserziehung im Schulsport. Ist die Gesundheitserziehung im Schulsport nicht heute aktueller denn je?
Eckart Balz: So gefragt, muss man das wohl bejahen, weil gesundheitliche Belastungen gerade für Kinder und Jugendliche vielfältiger und sichtbarer geworden sind. Zudem ist Gesundheit sozial ungleich verteilt und die Schere droht weiter auseinanderzugehen. Dem müssen wir auch im Bildungssystem verhaltens- und verhältnisorientiert – früh genug durch strukturelle Maßnahmen wie gesundheitsförderliche Ernährungs- und Bewegungsangebote und durch pädagogische Impulse wie gesundheitsbewusste sportliche Aktivierung begegnen. Jenseits gesundheitlicher Dramatisierungen sollte der Schulsport spezifische Beiträge zu einer gesunden Lebensführung leisten; sie können sich vor allem auf vielseitige körperliche Beanspruchungen und das Trainieren-Lernen, die Verbesserung der Befindlichkeit und das Verständnis...

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