5. – 10. Schuljahr

Eine Klasse ins Rollen bringen

Rollstuhlbasketball in der Sekundarstufe I

Mit dem Rollstuhl haben die wenigsten Schülerinnen und Schüler schon einmal Kontakt gehabt, geschweige denn, sich damit sportlich betätigt. Dieser Beitrag zeigt Möglichkeiten für ein gemeinsames Spielen im Rollstuhl auf, das in einem freudvollen, fordernden und fördernden Lernsetting möglich werden soll.

Rollstuhlbasketball ist die weltweit am weitesten verbreitete paralympische Sportart und durch die Besonderheit gekennzeichnet, dass auch Menschen ohne Behinderung teilnehmen können. Die Nationalmannschaften des Deutschen Rollstuhl-Sportverbands (DRS) sind international erfolgreich und z.B. im Zuge der Paralympics in den Medien präsent. Seit mehreren Jahren versucht der DRS, durch verschiedene Projekte Rollstuhlsport in Schulen bekannter zu machen und bestehende Berührungsängste abzubauen, da Rollstuhlsportarten in Regelschulen aufgrund verschiedener Rahmenbedingungen unterrepräsentiert sind und der Rollstuhl nicht als mögliches Sportgerät wahrgenommen wird. Neben den meist nicht vorhandenen Rollstühlen fehlt es zudem vielen Lehrkräften an Fachwissen bzgl. der Vermittlung und Gestaltung von Rollstuhlsport im Allgemeinen sowie von Rollstuhlbasketball im Speziellen. Hier sind neue sportdidaktische Zugänge und Konzepte erforderlich, denn die aktuelle Entwicklung des deutschen Schulsystems hin zu einer inklusiven Schule stellt Sportlehrkräfte immer häufiger vor die Aufgabe, Lernende im Rollstuhl in den Unterricht einzubinden und somit einer sehr heterogenen Lerngruppe ein freudvolles und zugleich förderndes und forderndes Lernsetting anzubieten.
Das gemeinsame Spielen im Rollstuhl verfolgt Lernziele in verschiedenen Dimensionen: Das soziale Lernen wird positiv beeinflusst, da u.a. Fähigkeiten der Perspektivübernahme befördert werden. Weiterhin werden aber auch sportmotorische Komponenten adressiert. Rollstuhlbasketball ist in erster Linie gekennzeichnet durch schnellkräftige Aktionen im und mit dem Rollstuhl, z.B. Starts, kurze Sprints, Finten mit schnellen Richtungswechseln sowie Drehungen, abruptes Abstoppen, ein- sowie beidarmige Würfe und Druckpässe. Im Folgenden ist ein Baukasten aus mehreren Übungen und Spielformen dargestellt, die bereits in verschiedenen Klassen erfolgreich ausprobiert wurden. Diese basieren auf Handreichungen des DRS (2015) bzw. des Fachbereichs Rollstuhlbasketball im DRS (2003).
Rollen, laufen, wechseln und von vorn
Grundsätzlich plädieren die Autorinnen und der Autor für einen spielgemäßen Zugang. Verschiedene Übungsformen zur Schulung und Vertiefung von spezifischen Techniken und Taktiken sind aber zum einen aufgrund der Besonderheiten der Sportart notwendig (z.B. das Aufnehmen des Balles bei voller Fahrt). Zum anderen ist das Fahren im Rollstuhl für den größten Teil der Lernenden eine neue Erfahrung, die es zu üben und zu trainieren gilt.
Das übergeordnete Ziel ist das gemeinsame Spiel von Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern sowie Fußgängerinnen und Fußgängern, wofür das Spielen z.B. in Zonenvarianten besonders geeignet ist. Dies begründet sich auch damit, dass die Anschaffung einer großen Zahl von Rollstühlen für Regelschulen unrealistisch erscheint, sodass mit dem kostengünstigeren Erwerb von drei bis vier Rollstühlen derartige Varianten zielführend sein können. Auf diesem Wege können alle Lernenden der jeweiligen Klasse mit dem Sportspiel Rollstuhlbasketball bzw. mit den spezifischen Bewegungsformen, Techniken und Taktiken in Kontakt kommen und entsprechende Erfahrungen sammeln.
Ein Start für die Etablierung von Rollstuhlsport im Unterricht kann mithilfe eines Schulprojekts des DRS gelingen. Eine Übersicht, verschiedene Ideen und Möglichkeiten sowie Ansprechpartnerinnen bzw. -partner finden sich unter https://drs.org/schulprojekte/
Ebenso ist eine regionale Kooperation mit einem Rollstuhlsportverein eine gute Möglichkeit. Auch diese Kontakte finden sich auf der Homepage des...

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