1. – 4. Schuljahr

Gleiten im Wasser

Den Wasserwiderstand und dynamischen Auftrieb erfahren und beeinflussen

Das Gleiten ist eine der Grundfertigkeiten, die in der Schwimmausbildung im Rahmen der Wasserbewältigung erlernt werden. Sie bildet eine wichtige Basis für das Verständnis über die physikalischen Eigenschaften des Wassers sowie die Biomechanik des Schwimmens und ermöglicht den Kindern neuartige Bewegungserfahrungen, die an Land kaum möglich sind denn „Gleiten ist bewegtes Schweben.

Gleitet der Körper durch das Wasser, erfährt er Widerstand, der durch die Körperform/-haltung und die Bewegungsgeschwindigkeit beeinflusst wird. Bremsende und antreibende Kräfte können durch die Schwimmenden vielseitig wahrgenommen und für die eigene Bewegung im Wasser genutzt werden, indem ein statisches Schweben in ein passiv oder aktiv dynamisches Gleiten verwandelt wird (Bissig, Gröbli & Cserépy, 2004; Ungerechts, Volck & Freitag, 2009). In der Aufzählung verschiedener Basisfertigkeiten für ein sicheres Schwimmen(lernen) wird das Gleiten oft eher im Nebensatz genannt und erhält in Lehrkonzepten weniger Aufmerksamkeit. Dabei zeigen sich bei näherer Betrachtung viele Vorteile, da das Gleiten im Zusammenhang mit anderen Grundfertigkeiten in der Wasserbewältigung erlernt wird und danach variabel angewendet werden kann. Für diesen Lernprozess ist es jedoch unabdingbar, über eine Wassergewöhnung zunächst einige Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehören insbesondere ein sicheres, unbekümmertes Bewegen (Gehen, Laufen, Hüpfen) im Medium Wasser sowie das angstfreie Ablegen des Gesichts auf der Wasseroberfläche und eine aktive Ausatmung in das Wasser. Daraufhin folgen das Eintauchen, Abtauchen und Auftauchen, welche durch die selbstständige Herstellung von Schwebemomenten ergänzt werden. Erst wenn Kinder diese Elemente sicher beherrschen, ist die Einführung des Gleitens sinnvoll und innerhalb der Wasserbewältigung durchaus angeraten (Bissig, Gröbli & Cserépy, 2004). Ein gutes Gleitvermögen im Sinne einer ökonomischen Bilanz zwischen Aufwand und Ertrag gilt als wichtiger Grundstein für optimale Bewegungsabläufe in den später zu erlernenden Fortbewegungs- und Schwimmarten (Frank, 2019), was nicht zuletzt ausschlaggebend für positiv besetzte Bewegungserlebnisse und den Aufbau eines individuellen Sicherheitsgefühls im Bewegungsraum Wasser ist. Die Lehrpläne für die Primarstufe benennen das Gleiten einerseits sehr explizit („sich auf das Wasser legen, gleiten, den statischen und dynamischen Auftrieb erleben und nutzen) und greifen an anderen Stellen eher implizit auf diese Fertigkeit zurück, wenn die Bewegung und Orientierung unter Wasser oder das Erlernen ausdauernden Schwimmens thematisiert werden (Schulministerium NRW, 2008).
Von kleinen Raketen und Putzfischen
Eine schwebende oder gleitende Position kann u.a. in der Bauch-, Seit- und Rückenlage eingenommen werden. Schwimmanfängerinnen und -anfänger bevorzugen meist die Bauchlage, da sie zum einen eine gute Orientierung im Raum ermöglicht und zum anderen ein Sicherheitsgefühl vermittelt, den Kopf für die Atmung jederzeit und unterstützt vom sogenannten Kopfstellreflex und dem Anhocken der Beine aus dem Wasser heben zu können. In der Seit- und Rückenlage sind beide Aspekte eher eingeschränkt. Daher beginnen die folgenden Übungen und Spiele in der Bauchlage, dürfen und sollten jedoch auch individuell in die Seit- und Rückenlage variiert werden. Der angstfreie Aufenthalt in allen drei Körperlagen und die selbstständige Veränderung dieser sind wichtiger Bestandteil der Ausbildung von sicheren Schwimmerinnen und Schwimmern. Weitere Bewegungsformen zur Vorbereitung auf die schwimmerische Fortbewegung werden daher in der Wasserbewältigung erlernt oder, im Fall des Gleitens, immer wieder mit dem Ziel eines möglichst ökonomischen Schwimmens vertieft.
Der dauerhafte Einsatz von Hilfsmitteln, die den Auftrieb im Wasser unterstützen (z.B. Schwimmflügel, -kissen, Poolnoodles), ist im...

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