7. – 8. Schuljahr

Petra Böcker

Den Schulhof gestalten

Ein Projekt zur bewegten Schulentwicklung

In einem Kooperationsprojekt von Schule und Universität planen Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 7 und 8 gemeinsam mit Studierenden die Gestaltung ihres Schulhofs und führen sie durch. Es entstehen dabei nicht nur Räume zum Bewegen, Spielen und Entspannen, die Heranwachsenden haben auch großen Anteil an Schulentwicklungsprozessen.

Der Schulhof ist elementarer Baustein einer bewegungsorientierten Schule. Diesen gemeinsam mit Lernenden bewegungsorientiert zu gestalten, hat sehr großes pädagogisches Potenzial. Denn wirken Schülerinnen und Schüler daran mit, eröffnet das die Chance, den Schulhof als gemeinsam geschaffenen und nutzbaren Raum wahrzunehmen und wertzuschätzen. Nicht lediglich das Konsumieren und der oftmals wenig wertschätzende Umgang mit fertig hingestellten Geräten auf dem Schulgelände, sondern das aktive Gestalten seitens der Schüler und Schülerinnen, eröffnet Partizipationschancen. So nehmen Jugendliche an ihrer Ganztagsschulentwicklung teil. Aktuelle Schulentwicklungsansätze zielen auf eine stärkere Autonomie der Einzelschule und auf die Kompetenzen der Akteure selbst ab, an ihrer Schule „mitzubauen.
Das in diesem Beitrag vorgestellte Projekt möchte das kreative Potenzial von „innen heraus, das heißt die Kompetenzen der Akteure der Schule, nutzen. Dabei ist es hilfreich, externe Kooperationspartner in den Schulentwicklungsprozess einzubinden. In Bezug auf die Schulhofgestaltung ist dieser mehrperspektivische Blick besonders wichtig, um die Bedürfnisse der unterschiedlichen Akteure zu erfahren und Nachhaltigkeit anzustreben. Allein der Einblick in die verschiedenen Funktionen und Nutzungen, die ein Schulhof haben kann, zeigt die Vielschichtigkeit mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen. Der Schulhof ist Bewegungs-, Spiel- und Freiraum, Ruhe- und Regenerationsort, Kontaktmöglichkeit, sozialer Lernplatz, Raum für Naturerfahrung und Unterrichtsort. Für die Lehrkräfte stellt sich die Aufsichtsfrage, während die Schüler und Schülerinnen gern Nischen aufsuchen und unbeobachtet bleiben wollen. Der Wald ist jedoch Teil des Schulhofs und gehört wie die anderen Bereiche zur regulären Pausenaufsicht dazu. Nachfolgend wird exemplarisch an der seit fünf Jahren laufenden Kooperationsbeziehung zwischen der Sophie-Scholl-Schule in Gießen und dem Arbeitsbereich Bewegungs- und Sportpädagogik der Philipps-Universität Marburg aufgezeigt, wie Schulen ihren Schulhof bewegt gestalten können und wie die Kooperation zu einer Win-Win-Situation für die Akteure der Schule und Universität wird.
Bewegungsräume gemeinsam entwickeln
Rahmenbedingungen und Ausgangspunkt
Seit dem Schuljahr 2013/2014 wird an der Sophie-Scholl-Schule Gießen in einem Neubau auf dem Gelände der ehemaligen US-Highschool unterrichtet. Der Neubau erfüllt die Voraussetzungen an moderne Schulbauten, der Schulhof dagegen war gekennzeichnet durch Betonflächen und einer für Schülerinnen und Schüler zunächst gesperrten Waldfläche. Nachdem in den ersten zwei Jahren eher kleinere Projekte zur Schulhofgestaltung im Rahmen der Projektwoche als Teilprojekte stattgefunden haben, hat sich in den letzten drei Jahren eine Organisationsform etabliert, die dem Konzept einer partizipativen bewegten Schulhofgestaltung entspricht und sich kontinuierlich weiterentwickelt. In einer Bestandsaufnahme durch Befragungen und Beobachtungen wurde deutlich, dass das Waldnutzungsverbot schwer durchzusetzen war und als Naturraum auch großes Potenzial bot. Nachdem die Sicherheitsvorkehrungen durch eine Baumprüfung erfüllt worden sind, wurde das Waldstück zur Nutzung freigegeben und in zwei Projektphasen gestaltet.
Organisationsform
Ausgangspunkt der Kooperationsbeziehung bildeten die Unzufriedenheit über das Schulgelände und der Wunsch, mit einer internen und externen Projektgruppe den Schulhof zu entwickeln. Mit dieser „echten Problemlage lässt sich die Arbeitsform...

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