1. – 13. Schuljahr

„Stellt gute Aufgaben!

Ein Gespräch mit dem Sportpädagogen Prof. Dr. Nils Neuber

Prof. Dr. Nils Neuber (53) gilt als einer der profiliertesten Sportpädagogen in Deutschland. Er lehrt und forscht seit 2006 am Institut für Sportwissenschaft der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und hat dort eine Professur für Bildung und Unterricht im Sport inne. Zuvor war er wissenschaftlicher Mitarbeiter und Assistent an der Fakultät für Sportwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum, wo er auch habilitierte. Nils Neuber hat an der Deutschen Sporthochschule studiert und promoviert. Aktuell ist er Geschäftsführender Direktor des Instituts für Sportwissenschaft in Münster und Studiendekan am dortigen Fachbereich Psychologie und Sportwissenschaft. 2017 wurde Nils Neuber mit dem erstmals vergebenen Ars legendi Fakultätenpreis Sportwissenschaft für herausragende Leistungen in der Lehre ausgezeichnet. Das Interview führte Prof. Dr. Detlef Kuhlmann; beide sind über mehrere Arbeitszusammenhänge im Sport und in der Sportwissenschaft über viele Jahre kollegial verbunden.
Sport&Spiel: Du warst neulich zu Gast beim 37. Evangelischen Kirchentag in Dortmund und hast dort im sog. Zentrum Sport einen Vortrag mit der Überschrift „11 Freunde sollt ihr sein!? gehalten. Worum ging es dabei?
Nils Neuber: Es handelte sich um eine gut gemachte Veranstaltung zum Thema Integration in Kirche und Sport mit Gästen aus Praxis und Politik, einigen Talkrunden, Bewegungspausen und Musik und eben auch einem Inputvortrag aus der Wissenschaft. Das war mein Job. Als Wissenschaftler hast du ja immer diese Expertenrolle: Was wissen wir sicher? Was ist eher ein Vorurteil? Und so weiter. Diese Rolle übernehme ich gerne.
Sport&Spiel: Gehört denn das Integrationsthema zu deinen Arbeitsschwerpunkten in Münster?
Nils Neuber: Jein. Wie viele Kolleginnen und Kollegen aus dem Sport haben wir uns auch in Münster wissenschaftlich und praktisch mit der Integration geflüchteter Menschen beschäftigt. Wichtiger erscheint mir allerdings mein Interesse für Lern- und Bildungsprozesse im Sport. Schon als junger Vereinstrainer im Schwimmsport hat mich die Frage umgetrieben, was man im und durch den Sport lernen kann. Daraus ergeben sich bis heute die Fragen, die mich antreiben: Wie können wir die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen fördern? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte dafür? Und welche Rolle spielt die Lernumgebung, also zum Beispiel die Schule oder der Sportverein, dabei?
Sport&Spiel: In deiner Dissertation von 1998 hast du dich mit „Kreativer Bewegungserziehung in der Primarstufe beschäftigt. Das klingt mir nach dem Schwerpunkt „Entwicklungsförderung. Welche Ergebnisse sind davon heute noch für Sportlehrkräfte in der Grundschule von Bedeutung?
Nils Neuber: Ja, genau. Ich hatte in Köln das Profil „Spiel, Musik, Tanz/Bewegungstheater bei Anne und Wolfgang Tiedt studiert und war begeistert von der unglaublichen Entwicklungsdynamik in diesem kreativen Feld. Dabei war das keine Hexerei im Kern ging es um gute Aufgabenstellungen. Das wollte ich auf die Grundschule übertragen. Dazu habe ich Lehrerinnen fortgebildet und sie in einem mehrmonatigen Unterrichtsversuch wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse waren sehr ermutigend. Insofern kann ich auch heute noch sagen: Stellt gute Aufgaben! Nicht zu oft geschlossene Anweisungen, nicht zu oft offene Anregungen, sondern teiloffene Bewegungsaufgaben. Dann klappts auch mit der Kreativität.
Sport&Spiel: Gab es weitere Projekte zur Aufgabenkultur?
Nils Neuber: Ja, viele. Aktuell habe ich ein großes Projekt zur Kulturellen Bildungsforschung im Tanz. Aber es gab auch Projekte zur Entwicklungsförderung im Jugendalter, zur Individuellen Förderung, zum Zusammenhang von schulischem Lernen und Bewegung oder zur Jungenförderung im Sport.
Sport&Spiel: Jungenförderung? Was muss man sich darunter vorstellen?
Nils Neuber: Ehrlich gesagt, bin ich über meine beiden Söhne auf dieses Thema gekommen. Meine...

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