7. – 10. Schuljahr

Thomas Leffler, Jonathan Pargätzi

Wir regeln das!

Regeln für das Kämpfen erarbeiten und verändern

Im Sport allgemein und im Bereich des Kampfsports im Besonderen geht es nicht ohne Regeln. Dieser Beitrag zeigt, wie Lernende sich grundlegende Regeln selbst erarbeiten, eigene Zweikampfspiele erproben und mithilfe der Rückmeldungen ihrer Mitschüler weiterentwickeln.

Regeln sind ausgehandelter Konsens und damit veränderbar. Schülerinnen und Schüler können erfahrungsgeleitet kreativ mit Regeln umgehen und diese entsprechend der Bedingungen abwandeln. Schließlich muss irgendwie geregelt werden, wenn zum Beispiel auf dem Pausenhof die Anzahl an Spielern ungerade ist, das Spielfeld nicht symmetrisch ist oder Materialien als Spielgeräte zweckentfremdet werden – ein Klassiker sind Schuhe als Tormarkierungen. Aber wie verhält sich das mit den Regeln beim Kämpfen?
Lehrkräfte müssen in der Arbeit mit heterogenen Lerngruppen besonders achtsam bei der Vermittlung von Inhalten im Erfahrungs- und Lernfeld Kämpfen sein. Denn mit- und gegeneinander zu kämpfen, erfordert eine gemeinsame Übereinkunft, einen verbindlichen Konsens hinsichtlich einzuhaltender Regeln und Rituale vor, während und nach dem Zweikampf. Zumeist werden Regeln am Anfang einer Unterrichtseinheit geklärt, also noch bevor das Kämpfen beginnt. Aufgrund ihrer Erfahrungen, sind die Lernenden in der Lage, Regeln zu benennen. Die Visualisierung der Regeln ist sehr hilfreich, damit sie während der gesamten Unterrichtseinheit präsent bleiben und auf sie direkt verwiesen werden kann. Schülerinnen und Schüler sollen jedoch grundlegend lernen und verstehen, dass Regeln notwendig, willkürlich gesetzt und damit auch veränderbar sind. Das Leitziel bei unserem didaktischen Vorgehen lauet: Die Lernenden übernehmen in Zweikämpfen Verantwortung für sich und andere.
Damit Schülerinnen und Schüler die Notwendigkeit von Regeln allgemein und ihre Bedeutung in Hinblick auf die Fairness verstehen, sollen sie diese selbst aus der Praxis entwickeln, erproben und verändern. Dafür wird ein Zweikampfarrangement gewählt, welches für sich genommen einen hohen Aufforderungscharakter besitzt. Am besten sollten im Vorfeld keine Regeln und nur eine leitende Spielidee vorgegeben werden. Je weniger festgelegt ist, desto mehr sind die Lernenden gefordert. Im Bereich Kämpfen muss berücksichtigt werden, dass ein gewisses Risiko besteht, wenn im Vorfeld keine entsprechenden Regeln die Handlungen begrenzen. Hier entscheidet die Lehrkraft im Hinblick auf die jeweilige Lerngruppe, welche Regeln sie vorgibt.
Zweikämpfe entwickeln und regeln
Für eine genetische Vermittlung von Regeln bietet sich ein Zweikampf auf einer Turnbank an. Nach einem bewegungsintensiven Aufwärmen werden mehrere Bänke in der Halle verteilt, teilweise mit der Sitzfläche nach unten und mit Matten gesichert. Jeweils zwei Lernende begegnen sich auf einer Bank. Als Spielziel wird nur vorgegeben, dass derjenige gewinnt, der im Zweikampf auf der Bank bleibt. Selbstverständlich darf ein Mitschüler nicht verletzt werden! Nach ausgiebigen Zweikämpfen haben die Schülerinnen und Schüler sehr schnell das Bedürfnis, die erlaubten und verbotenen Bewegungshandlungen festzulegen, um die Fairness sicherzustellen:
  • Darf gezogen und/oder gestoßen werden?
  • Wenn ja: an welchen Körperstellen?
  • Wie startet/endet ein Zweikampf?
  • Was ist verboten (kratzen, schlagen, treten, Haare ziehen )?
  • Welche Sanktionen gibt es?
Im weiteren Verlauf differenzieren die Schülerinnen und Schüler das Regelwerk dahingehend weiter aus, wie mit der Heterogenität in der Lerngruppe umgegangen werden kann. Sie sollen sich damit auseinandersetzen, wie eine möglichst große Chancengleichheit hergestellt werden kann. Nach weiteren Zweikämpfen wird geprüft, ob die bisher aufgestellten Regeln ausreichen oder weitere notwendig sind; ob sie von den Lernenden entsprechend eingehalten oder sanktioniert werden müssen. Die Lehrkraft moderiert diesen Prozess und...

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